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„77 Jahre Befreiung – Die Generation der Befreiten verschwindet – Wie machen wir weiter?” – Gespräch mit Jalda Rebling

Sonntag, 12. Juni 2022, 17 Uhr, Reformiertes Gemeindehaus am Markt in Nordhorn

Sie wurde 1951 in Amsterdam geboren,  ihre Mutter war die bekannte Interpretin jüdischer Lieder Lin Jaldati, ihr Vater Musikwissenschaftler und Pianist  Eberhard Rebling. Sie war in einer alten Villa „Het Hooge Nest“ im Versteck, wo sie allerdings verraten wurde und in drei Konzentrationslager kam, Westerbork, Auschwitz, Bergen-Belsen. In allen drei Lagern begleiteten sie und ihre ebenfalls internierte jüngere Schwester Janny,  Anne und Margot Frank. Lin Jaldati schreibt in ihrem Buch „Sag nie, du gehst den letzten Weg“: „Am Tag darauf gingen wir wieder zu ihnen. Margot war von der Pritsche gefallen, kaum noch bei Bewusstsein. Anne fieberte auch, sie war freundlich und lieb. … Wenige Tage danach war die Pritsche leer. Wir wussten, was das bedeutete. Draußen hinter der Baracke fanden wir sie. Wir legten ihre dünnen Körper in eine Decke und trugen sie zur großen Grube. Das war alles, was wir noch zu tun vermochten“ (S.425). Es ist furchtbar, dass wir am Tag von Annes Geburtstag so ihres Todes gedenken müssen.

Nach der Befreiung ging die Familie Eberhard, Lin, Kathinka und Jalda Rebling 1952 auf Anraten von Anna Seghers und Nathan Notowizc in die DDR, nach Berlin-Ost, wo Jalda aufwuchs. Sie studierte Schauspiel in Berlin, spielte Theater TV, Hörfunk, Film etc.  1978 begann eine professionelle Zusammenarbeit mit ihren Eltern.  Tournees führten sie nach in New York und Jerusalem, nach Paris und Amsterdam. 1980 suchte sie sich zwei Musiker und machte sich selbständig. Sie wurde schnell bekannt als Interpretin jiddischer und sephardischer Lieder. 1987 gründete sie die Tage der Jiddischen Kultur in Ostberlin. Das Jiddischfestival überlebte den Fall der Mauer und brachte Jiddischisten aus Ost- und Westeuropa und den USA zusammen.

Jalda war eine der Aktivistinnen der Synagoge Oranienburger Strasse in Berlin, der ersten egalitäten Synagoge. 2007 erhielt sie ihre S´micha als Chazan von ALEPH Alliance for Jewish Renewal. Ebenfalls 2007 entstand Ohel HaChidusch e.V. die erste Jewish Renewal Gemeinde in Deutschland.

Heute ist sie director of studies der European Academy for Jewish Liturgy, Vorstandsmitgleid von der Rabbiner- und Kantorenorganisation Ohalah und sie ist Mitglied der Cantors Assembley.

Jalda Rebling hat drei Söhne und einen Enkelsohn, sie lebt in einem 500 Seelen Dorf mit Namen Wittbrietzen südwestlich von Berlin.